Lies Edel ...

..., denn Kino kostet dreimal mehr!

Gesammelte Schreib-Tipps #10 – #19

Gepostet von am 15 Jan 2013 | Keine Kommentare

Liebe LeserInnen, geschätzte AutorInnen!

Auf vielfachen Wunsch werde ich meine Schreibtipps, die ich auf Facebook ab und an veröffentliche in gesammelter Form alle ein bis zwei Wochen auch hier einstellen. Über zehn Jahre Erfahrung und Lernen haben die Spreu vom Weizen getrennt. Ich gebe also hier nur weiter, was sich wirklich bewährt hat.

 

Tipps für angehende AutorInnen #10

Starten wir in die Woche mit ein paar Überlegungen zum Thema “Zielgruppen”.

Das Erste was man sich fragen sollte, wenn einem DIE Idee für ein Buch gekommen ist, ist: “Wen könnte das interessieren?”.
Das ist nämlich auch die erste Frage, die man meist von Agent, Lektor oder Verleger zu hören bekommt.
Ein Großteil der Bücher am Markt verkaufen sich nicht, weil der Autor sturheil für sein Ego geschrieben hat, ohne den wichtigsten Aspekt seines Werkes im Auge zu behalten. Den Leser.
Die leicht überhebliche Ansicht:”Wenn es mal gedruckt ist, wird es schon wer kaufen”, ist der beste Weg in die Versenkung der unbekannten Autoren. Dabei ist es sehr simpel.
Man nehme die Buch-Idee und frage sich folgende Punkte:

1. Ist es eher was für Männer oder Frauen? Es gibt ein paar Geschlechtsspezifika, die einem da gute Hinweise geben können, auch wenn sie Stereotypien sind. Wir sind eben in manchen Belangen alle gleich, manche gleicher. ;)

2. Welche Altersgruppe wird sich dafür interessieren? Ein Roman über die wilden 60iger über eine unabhängige, alleinerziehende Mutter spricht sicher eine andere Schicht an, als ein Thriller im HipHop-Milieu Manchesters.

3. Wo finde ich diese Gruppen? Das Netz ist voll mit Foren, Blogs und Interessenvertretungen zu allen möglichen Themen. Dort sollte man mal stöbern und seine Idee auf Brauchbarkeit checken.

4. Welches Genre passt zu meiner Idee? Manche Pageturner würden in einem anderen Genre nicht funktionieren, manche Eintagsfliegen im richtigen Regal zur vollen Blüte gelangen.

5. Egal was man rausfindet … Frauen sind die größeren Leseratten! (Danke dafür! ;) ). Während Männer eher zu Sachbüchern, Geschichte oder Biografien (selten in Romanform) greifen, wollen sich Frauen entspannen und unterhalten, aber auch mit einer guten Portion Information versorgt sein. Laut Elke Heidenreich 2/3 Spaß und Spannung, 1/3 Info.

6. Eine gute Faustregel ist: Für die Sachen, für die ich mich als Autor interessiere, gibt es sicher noch andere da draußen. Man schreibe also eine Liste für die Dinge die man mag und gerne macht, sowie für die Dinge, für die man sich interessiert (nicht zwingend immer dasselbe!). Lässt sich das irgendwie in die Buchidee integrieren? Jackpot. Man ist seine eigene Zielgruppe und schreibt sowohl für sich, als auch für die anderen.

7. Hat es einen eleganten Nebeneffekt. Wenn ich die Zielgruppe kenne, kann ich schon sehr viele Verlage ausschließen, die mein Manuskript sicher nicht brauchen können. Das spart Zeit, Nerven und Geld.
… und bevor sich nun jemand auf den gender-Schlips getreten fühlt … natürlich gibt es immer LeserInnen-Ausnahmen und das ist die schöne Seite daran. Man erwischt mit etwas Glück auch ein Zielpublikum, an das man gar nicht gedacht hat … in diesem Sinne: watch out for your target audience, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #11

Auf Bitte einer Leserin heute mehr zum Thema “Archetypen”.

“Als Archetypus oder Archetyp (griechisch für: Urbild; Mehrzahl: Archetypen) bezeichnet die Analytische Psychologie die im kollektiven Unbewussten angesiedelten Urbilder menschlicher Vorstellungsmuster.”, sagt Wikipedia. Gut. Dann schauen wir uns drei männliche und drei weibliche Charaktere an.

1. Der Krieger

Ein Klassiker. Seine Tugenden kann man mit nobel, prinzipientreu und ritterlich abstecken. Beherzt und beharrlich ist er in seinem Tun. Auf der anderen Seite kann er aber ungeheuer selbstgerecht, besessen und stur sein. Sein negatives Pendant wäre der Rächer. Dieser Typ ist oft in einschlägigen Comics hinter einer Maske zu finden. Anwendung: Eigentlich überall, wo es darum geht ein übergroßes Ziel durch viel körperlichen Einsatz und cleveren Ideen zu erreichen.

2. Der Professor

Mr. Spock, der Vulkanier, der menschliche Computer. Seine Tugenden: analytisch, Genie (in zumindest einem Gebiet), sorgfältig. Aber auch durchaus engstirnig, gehemmt und pedantisch. Seine “Anti”-Version wäre der “verrückte Professor mit der irren Lache”, der hinreichend bekannt ist. Anwendung: Überall wo es Rätsel zu lösen gibt, wie z. B. in Krimis (Achtung, nicht zwingend Thriller oder Suspense, denn das eine ist ein logisches Rätselspiel, das andere ein Alptraumfantasie. In Ersterem ist der Held nicht das Opfer, in Zweiterem schon. Das wird allzuoft verwechselt!)

3. Der “beste Freund” 

Er ist der Kumpel, der die Rechnung übernimmt, wenn keiner mehr was im Säckel hat, er steht bei der Polizei für alles gerade, er ist der echte, wahre Freund. Tugenden: unterstützend, tolerant, solide. Seine Fehlerchen: selbstgefällig, kurzsichtig und zögerlich. Der perfekte Sidekick, also. Er steht dem Helden zur Seite, überflügelt ihn aber nicht. Sein Gegenstück ist der Mitwisser oder Gefährte des Bösen. Anwendung: Überall, wo ein Held mal eine “helping hand” braucht. (meine Interpretation eines “best friend” findet sich als Bonusgeschichte im Krimi “Venustransit” unter dem Titel “Tag der Zikade”)

Bei den Damen greife ich jetzt ebenso die schon fast Stereotypen Klassiker heraus.

1. Die “femme fatale”

Sie ist die wandelnde Gefahr auf zwei Stilettos, die jedes Männerherz im Nu zu Asche verglühen lassen kann. Tugenden: clever, unabhängig, bestimmend. Ihre Fehler: manipulativ, zynisch und kaltherzig. Sie wandelt sich wie ein Chamäleon. Ihre richtig dunkle Seite findet sich in der Sirene oder der, namensgebend, “Dark Lady” wieder. Anwendung: Die Gefährtin des Bösewichts oder, viel schöner, die finstere Magierin.

2. Der “Freigeist”

Sie ist der Wirbelwind, der jede Party zum Highlight macht. Tugenden: optimistisch, erfinderisch und etwas exzentrisch. Ihre Fehler: undiszipliniert, eine exzessive Tratschtante und impulsiv. Ihren negativen Part spielt sie als “everybodys darling”. Anwendung: Dort wo eine eigensinnige Frauenfigur am wenigsten passt. In allen vertrockneten Plotideen! ;)

3. Die “Mutter”

Sie kümmert sich um alles und jeden, auch wenn sie dabei selbst unter die Räder kommt. Ihre Tugenden: selbstlos, eiserner Wille, eine Mentorin sonder Gleichen. Ihre Fehler andererseits: selbstaufopfernd, kann lange leiden, wird als Mensch gerne herumgeschupst. Ihr Gegenstück ist die weise Frau, die Hexe, die alles weiß, aber die jeder scheut. Zur Anwendung kommt sie überall, wo es einen festen Beziehungspunkt in einer Geschichte braucht.
Natürlich sind dies nur ein paar der unzähligen Möglichkeiten, die es an Archetypen gibt. Schaut Euch in Familie, Freundes und Bekanntenkreis um, wo solche Menschen unterwegs sind und beobachtet sie ein bisschen. Dann bekommt ihr schnell ein Gefühl für die Archetypen. Start searching, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #12 

… zu “non-fiction”, sprich Ratgebern …

Es muss nicht immer der große Roman sein, mit dem man sich einen Namen machen kann. Auch ein ordentlicher Ratgeber kann der Einstieg in eine Autorenkarriere sein. Doch wie anpacken?
Es ist gar nicht so schwierig, wie man sich denkt … auch wenn hier das Hauptmotto: Disziplin und Konsequenz heißt!

Rule #1:

Ein Ratgeber soll entweder ein Problem LÖSEN können oder es VERMEIDEN helfen. Sprich, wie mache ich etwas resp. wie mache ich etwas nicht. z.B.: Wie lasse ich mich scheiden in 10 Tagen? oder Wie rette ich meine Ehe in 10 Tagen? Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.

Rule #2:

Thema finden? Kein Problem. Man nehme einen Zettel Papier und mache einen Schritt in der Mitte. Auf der linken Seite schreibt man alles hin, was man an Ausbildung, Beruf und Fortbildung in seinem Leben gemacht hat. Auf die rechte Seite kommt alles wofür man sich interessiert. Dann kann man mit der “Kreuzverbindung” loslegen. “Mann” arbeitet in einer Bank und interessiert sich für Kleintierzucht? Mögliche Titel:”Finanzierung einer Kleintierzüchter-Vereins” oder “Kauf und Verkauf von Kleintieren – Tipps und Tricks”. “Frau” hat Biologie studiert und ist nun leidenschaftliche Mutter eines sechsjährigen? Mögliche Titel: “Biologie für Kinder unter 6″ oder “Mit Kindern unter 6 in die Natur” … einfach die Phantasie spielen lassen, immer auf Basis von Rule #1: Welche Fragen kann ich damit beantworten, die die Menschen haben.

Rule #3:

Non-Fiction heißt recherchieren, heißt Material sammeln. Bevor sie loslegen sammle man ALLES was zum Thema passt. Fotos, Zeitungsausschnitte, Zitate aus Büchern, Filme, Musik, Vorträge, das Internet ist voll davon. Dann räume man den Couchtisch zur Seite, stelle eine Thermoskanne Kaffee in Reichweite und lege los. Das Material in ausgedruckter Form wird nach ähnlichen Sinngebieten gegliedert und auf Stapel gelegt. z.B. für: “Kunstsammeln für Anfänger” … Wie erkennt man Kunst? – Stapel 1, Wie erkennt man den Wert? – Stapel 2, Wie viel sollte man investieren? – Stapel 3 … innerhalb der Stapel differenziere man erneut. Das Ziel: Etwa 12 Stapel, die in je 3 Unterstapel aufgeteilt sind. Das ergibt in Summe 36 Kapitel. Wenn man nun zu jedem Kapitel “nur” 5 Seiten schreibt, kommt man auf 200 Seiten. Ein wirklich guter Schnitt für einen Ratgeber.

Rule #4:

MIND THE COPYRIGHT!!! I can’t stress that too much. Man MUSS dafür Sorge tragen, dass das Copyright aller Fotos, Zitate und allem was man nicht eigenhändig geschrieben hat geklärt ist (via Quellenangabe oder Druckerlaubnis!). Man möge sich mit der Kunst der Paraphrae auseinandersetzen. Paraphrase ist NICHT Plagiat!

Rule #5:

Ein Klassiker für den leichten Einstieg ist das Buch in Richtung: “Die 5 besten Wege zu …”, “In 9 Schritten zu …”, “7 einfache Lösungen für …” zu trimmen. Mit der Zeit bekommt man genug Übung, um sich eine freiere Einteilung zu erlauben.

Jeder hat etwas zu sagen, jeder hat eine Lösung für etwas. Der Austausch dieser Lösungen ist ein fundamentaler Bestandteil der menschlichen Entwicklung. Jedem ist klar, dass z. B. Pfeil und Bogen nicht von sechs verschiedenen Urzeitmenschen erfunden wurde. Man traf sich, tauschte sich aus e voilà, am abendlichen Lagerfeuer gab es etwas mehr als trockene Beeren und Wurzelsuppe. Vielleicht habt ihr ja “Pfeil und Bogen” der Kindererziehung entdeckt … und dieses Wissen MUSS geteilt werden! … Watch out for solutions, keep writing!

***

Ich hoffe, dass es jemandem hilft und freue mich immer über Austausch … und wenn Ihr einen Wunsch habt, worauf ich eingehen soll, dann erwischt Ihr mich unter lucasoedel[at]gmail.com

 

Mehr

Gesammelte Schreib-Tipps #1 – #9

Gepostet von am 11 Jan 2013 | Keine Kommentare

Liebe LeserInnen, geschätzte AutorInnen!

Auf vielfachen Wunsch werde ich meine Schreibtipps, die ich auf Facebook ab und an veröffentliche in gesammelter Form alle ein bis zwei Wochen auch hier einstellen. Über zehn Jahre Erfahrung und Lernen haben die Spreu vom Weizen getrennt. Ich gebe also hier nur weiter, was sich wirklich bewährt hat.

 

Tipps für angehende AutorInnen #1 

AutorInnen, die den ganzen Tag in Foren abhängen und über die Arbeiten von anderen lästern, haben sich selbst aus dem Spiel genommen. Jede Minute die ihr an Eurem Manuskript arbeitet, bringt Euch Eurem Ziel veröffentlicht zu werden näher … sinnlose Diskussionen mit sturen Egomanen, die alles ganz anders gemacht hätten, tun das nicht. Keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #2

Negative Rezensionen kommen nicht immer mit dem Wunsch des guten Dienstes am Autor daher. Ein Großteil wird aus Neid, Unverständnis oder einfacher Ignoranz verfasst. Um die Angstgedanken “Jetzt ist alles aus und ALLE werden es hassen” zu umgehen, überlege man folgendes: Auf jeden Spielverderber, kommt mindestens EIN Leser mit Köpfchen, der so denkt wie ihr, nämlich: “Muss das sein? Ziemliches Armutszeugnis. Ich bilde mir lieber meine eigene Meinung.” … und solange ihr solche LeserInnen habt, kann Euch der Rest egal sein. Stop moaning, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #3

Kleinverleger sind der treueste Partner den ein junger Autor haben kann. “Lieber der erste Mann in einem gallischen Dorf, als der zweite in Rom”, soll schon Julius Cäsar gesagt haben. Genau diese Chance bekommt man bei einem Kleinverlag. Man dringt schnell bis zur obersten Etage vor, kann Dinge ausverhandeln und vor allem verfolgt man dasselbe Ziel. Eine dauerhafte Partnerschaft mit einer win/win-Situation. Was sollte man also mitbringen, um sich positiv vorzustellen? Unter anderem: Ein sauber lektoriertes Manuskript, den Mut anzurufen, das “kleine bisschen Mehr” (eine Zielgruppe, einen Verein über den man Bücher vertreiben kann, selbstorganisierte Lesungen usw.) und Geduld. Wenn mir heute wer ein Manuskript mit 500 Seiten in die Hand drückt und sagt: “Vielleicht können Sie mir ja schon am Wochenende etwas dazu sagen?”, dann wird meine Antwort sein: “Ach, darauf brauchen Sie nicht bis zum Wochenende warten …” … und das ALLERWICHTIGSTE: Schuhe verkauft man in einem Schuhgeschäft, nicht in einer Fleischerei. Kein Kinderbuchverlag, nimmt einen Horrorwälzer. Watch out, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #4

Da ich gestern angeschrieben wurde, um zum Thema “Motivation” was zu sagen, hier ein paar Gedanken. Ich weiß nicht welchem Verlagsboss mit Rolex und dicker Zigarre der unsägliche Satz: “Man soll nicht für Geld schreiben, sondern für sich selbst.” eingefallen ist. Absoluter Blödsinn. Natürlich sollte man für Geld schreiben und dieses Ziel auch klar und deutlich sichtbar über seinen Schreibtisch hängen. Für sich selbst schreibt man ja ohnehin. Ein Musiker bekommt Geld für seinen Auftritt, ein Schauspieler für seinen Auftritt Gage, warum sollte also ein Autor nichts für seine Schreibarbeit bekommen? Schließlich stecken da viele Stunden Arbeit drinnen und ein Vorschuss von mind. 1 bis 2 Euro pro Seite (bei Exklusivrechten) sollte schon möglich sein.
Desweiteren sollte man sich als angehender Autor von der Vorstellung trennen sofort und auf der Stelle von seinen Tantiemen leben zu können. Das geht nur sehr, sehr selten mit einem “one shot”. Besser ist es sich “Zwischenziele” zu stecken. z.b.:”Ich möchte in diesem Jahrs so viel verdienen, dass ich mir jedes Monat mein Essen damit bezahlen KÖNNTE.” Ist dieses Ziel erreicht, dann geht es zum nächsten “Ich möchte mein Essen und meine Versicherungen bezalen können von meinen Einkünften”. Das ist weit realistischer und man bleibt am Ball. Dazu gehören natürlich drei wichtige Sachen. 1. Immer wieder neue Ideen, die man zu einem Buch machen kann, 2. Ausdauer und 3. VIELE Bücher, nicht nur eines. Die Menge macht’s auf lange Sicht. In diesem Sinne: Lebst du noch oder schreibst du schon?

 

Tipps für angehende AutorInnen #5

Heute gibt es einen kleinen Technik-Tipp. Immer wieder kommt mir ein alt bekanntes Phänomen unter. Charaktere die seitenweise, fast identische Dialoge sprechen. Schlimmer noch, an manchen Stellen weiß man nicht mehr wer nun was sagt, weil sich alles von Ausdruck, Ton und Formulierung gleicht. Hier ein kleine Hilfestellung … Menschen reden unterschiedlich miteinander, weil wir zu jedem Menschen eine andere innere Haltung und Beziehung haben. Ich spreche mit meiner Frau sicher anders, als mit meinem Chef (wobei die manchmal ein und dieselbe Person sind ;) ).
Mit meinem Postboten rede ich auch anders, als mit meinem Steuerberater. Den Respekt meinen Eltern formuliere ich anders, als das launische Geplänkel mit meinem Bruder, obwohl wir eine Familie sind. Fragt Euch einfach beim nächsten Mal: “Wie stehen die beiden Personen zueinander? Sind sie zum Beispiel so gute Freunde, dass sie sich mit scherzhaften Beschimpfungen reizen oder ist der eine dem anderen hörig, vielleicht sogar unterwürfig. Vielleicht höflich, wie ein japanischer Portier im Hotel oder gelangweilt finster, wie ein Türsteher im Edel-Club?” … haltet Eure Ohren offen und hört zu. Ich möchte wetten, dass sich dann die nächsten Dialoge lesen, wie frisch aus dem Leben. Start listening, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #6

Räumen wir ein bisschen mit dem alten “Show, don’t tell” auf, das junge AutorInnen in den Wahnsinn treiben kann …

Der Mythos: “Show, don’t tell” ist wörtlich gemeint. Sag mir nicht das der Held sich freut, zeig mir, wie er lacht.

Die Wahrheit: “Show, don’t tell” ist bildlich gemeint. Sag mir nicht, dass der Held sich freut, zeig mir WARUM er lacht.

Die Regel des “show, don’t tell” kommt aus dem englischen Sprachraum und ist eine tolle Sache. Da wir aber im deutschen Sprachraum leben, müssen wir uns diese Regel aber etwas zurecht biegen. Vieles, was man im Englischen mit einem flapsigen Ausdruck unmissverständlich klar macht, braucht im Deutschen etwas mehr Platz. Das ist die Natur unserer Sprache. Man denke nur an die Folge “The Builders” aus der Serie “Fawlty Towers”. Basil heuert aus Geiz den billigeren Handwerker O’Reilly an, während Sybil, seine Frau, den vertrauenswürdigeren, aber teureren Stubbs präferiert. Es kommt zum Dialog … Sybil: “He (O’Reilly) ist cheap.” Basil:”No, he is not cheap.” Sybil:”Well, what will you call him then?” Basil:”Well … cheapish”.
Wie, bei allen Dämonen des kreativen Schreibens, soll man DAS in ebenso knackig-witziges Deutsch übersetzen? Ein fundamentales Problem der Worte unserer Sprachen also. Aber dafür haben wir wunderbare Adjektive und Verben, die, wenn man sie richtig und bedacht auswählt, unglaubliches bewirken können. Und genau darauf kommt es an. Vertraut auf die deutschen Worte und Ausdrücke, um zu zeigen, WARUM ein Charakter etwas tut. z.B.: Die Heldin Doris sitzt auf einem Stuhl und weint. Die Tränen laufen über ihre Wangen, ziehen ein glitzerndes, salziges Bachbett hinter sich her. Schön, ABER … Doris sitzt auf einem Stuhl und weint. Reuben hat schon wieder die Tür hinter sich zugeschlagen, bevor sie über ihre Schwangerschaft reden konnte. Wie lange wird sie das noch mitmachen können, ohne zu zerbrechen. Es geht nicht unbedingt darum die Aktion darzustellen, sondern eher das “wieso ist es so” (daher ist angeführtes Beispiel nicht ganz ausgearbeitet, weil da natürlich Dialog und dergleichen noch dazu gehört!)
“show” heißt übersetzt “zeigen”, aber auch “darstellen” und das sollten wir eher im Hinterkopf behalten, um Erfolg mit unseren Szenen zu haben … Love your words, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #7

Immer wieder kommt einem mal der Begriff “High Concept” unter. Doch was ist es und warum brauchen wir es? Kurz gesagt: High Concept ist die Frage “Was wäre, wenn …”. Wir brauchen es, um unsere Geschichte auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen. Im besten Fall einen einzigen Satz, worum es geht. Den “Pitch”.
Es gibt fünf simple Punkte auf die man seine Idee abklopfen kann, ob sie das Potential für eine “high concept” Story hat und damit den Marktwert erhöht.

1. Different?

Such nach der “Lücke” in einem Genre, die noch nicht ausgefüllt wurde. Das erreicht man z.B. durch “gender bending” (Cpt. Kirk, Cpt. Picard, Cpt. Archer, aber nur EINE Capt. Janeway) oder Verknüpfen zweier Genres (z.B. Krimi und Fantasy)

2. Universal?

Spricht die Geschichte eine allgemein bekannt und gültige Basis des Lebens an. Am Einfachsten überprüft man das, indem man überlegt, ob es die Geschichte schon so ähnlich als Märchen, Sage oder Legende gibt. Nichts hält länger als eine Generation, was nicht etwas Fundamentales anspricht.

3. Emotionen?

Etwas sperrig, weil es nach dem Motto “du wirst es wissen, wenn du es siehst” abläuft. Faustregel: Wenn dich die Grundemotion für die Geschichte nach einer Woche immer noch bewegt, dann ist es gut.

4. Visuell?

Kann man sich die Geschichte bildlich vorstellen, nicht bloß auf der Gefühlsebene? Könnte es auf einer Theaterbühne oder noch besser im Kinosaal auf der Leinwand stattfinden? Sieht man die Action?

5. Auf einen Satz reduzierbar?

Lässt sich die gesamte Geschichte auf den Nenner: “Der Held (samt seiner Schwächen/Fehlers) will ein Ziel erreichen und muss dafür Hürden aller Art überwinden. Auf dem Weg zum Ziel verändert er sich.” reduzieren, dann ist man im Spiel. Perfekt wäre z.B.: Ein Boxer, der Angst hat zu versagen, bekommt die Chance gegen den Weltmeister anzutreten. Er überwindet sich und siegt. (Rocky) … Start your high-concept, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #8

Heute möchte ich ein paar Gedanken zum Thema “Charaktere” niederschreiben.

Jeder Mensch ist die Summe seiner Teile. Psychisch tragen wir viele verschiedene Archetypen in uns. Würden wir unsere Persönlichkeiten auf einem Tortendiagramm eintragen, dann könnten wir sehen, wie diese Archetypen verschieden große Schnitten ergeben. Der “Boss” in uns, der alles überblickt, Ziel und Weg dorthin klar vor Augen hat, nimmt bei manchen 12% ein, bei anderen nur 6%. Der “Professor”, der wie ein Besessener stundenlang an Modelleisenbahnen bauen kann oder bis ins kleinste Detail jeden Unterschied von Damenschuhen kennt. Der “bad boy” oder bei Damen die “femme fatale”, die alles was sich bewegt als “zu Verführendes” sehen. Oder der/die Krieger/in, der Archetyp, der wie ein Löwe um seinen Job oder seine Kinder kämpft. Oder der beste Freund, die Mutter, das göttliche Kind und viele mehr.
Da wir all diese Teile in uns tragen, sehen wir nur manchmal, in Extremsituationen, einen kleinen Ausschnitt der Archetypen in uns. Wenn wir beim Kampf um das letzte Ticket für das Eishockey-Spiel plötzlich Mut für zehn verspüren, beim ersten Gespräch über Gefühle aber am liebsten alles mit nüchternen Logik sezieren. Hier ist der Kern jeden Konflikts eines Charakters. Wir lesen Geschichten, um über eben diese Charaktere Zugang zu den Archetypen in uns zu finden. Je klarer ein Archetyp in einem Buch in Erscheinung tritt, umso mehr freuen wir uns, weil wir endlich einmal einen klaren Blick auf die Grenzen und Fähigkeiten dieser Persönlichkeitsstrukturen erhaschen können. Der Sheriff in weiß, der Landlord in schwarz.
Die Vorteile für Autor und Autorin? Wir brauchen nur die einzelnen Teile in uns lossprengen und daraus Figuren schaffen. Eine alte Frau wird von einem Burschen auf der Straße angerempelt? Der Krieger in uns. Merken, Figur eins. Unser bester Freund ist wieder mal in Geldnöten? Wir pumpen 20 Euro. Merken, Figur zwei, Harry Kim. Wir verlegen unsere Haustürschlüssel? Schritt für Schritt vollziehen wir unseren letzten Wege nach, bis wir ihn gefunden haben. Merken, Figur drei, der Professor.
Wenn wir nun noch bedenken, dass in jedem Menschen eine Anima und ein Animus, also das männliche und weibliche Prinzip hausen, dann verdoppeln sich die Archetypen … wenn wir desweiteren darüber nachdenken, dass diese Typen auch böses tun können, dann wird die Zahl der Auswahlmöglichkeiten noch größer … und wenn wir dann noch daran denken, dass ein Archetyp der Basisteil unseres Charakters ist und im Laufe des Lebens von anderen überlagert wurde … bei den Göttern, dann sind die Möglichkeiten unendlich … Start searching your archetypes, keep writing!

 

Tipps für angehende AutorInnen #9

… zur Story Architektur …

Es gibt “pantser” und es gibt “planer”. Die Pantser setzen sich auf ihre “pants” und beginnen einfach mal aufs gerade wohl mit ihrer Geschichte. Sie lassen sich dahintreiben und schauen, wo sie die Story hinführt. Nachteil: Bis eine runde Geschichte rauskommt braucht es oft etliche Versionen, was dann auch leicht zum Abbruch des Projekts führen kann.
Die Planer bauen ihre Story nach einer Struktur. Da gibt es die 3-Akte-Systeme (klassische), 4-Akte-Systeme, 5-Akte-Systeme (Drama) und viele mehr.
Ich empfehle jungen AutorInnen sich das 4-Akte-System anzugewöhnen. Mit den anderen kann man dann immer noch experimentieren.
Wie funktioniert es?
Akt 1 – umfasst das wer, wie, wo, was, wann, warum. Die wichtigsten Charaktere werden vorgestellt, die story question wird aufgeworfen in Form von “wir der Held sein Ziel erreichen?” und eine Initialzündung lässt den Held loslegen. Der erste Akt ist das “Set up” für alles was nachher kommt. Der Held gleichsam ein Waisenkind, dessen Leben wir vor dem ersten Wendepunkt zeigen. Nichts ahnt er von der Reise, die vor ihm liegt, mit Ausnahme von ein paar Andeutungen, die der Leser später als “foreshadowing” interpretieren kann.
WP 1 – Am ersten Wendepunkt ändert sich für den Helden alles dramatisch. Er wird aus seiner Welt gerissen. Meist ist es eine Überraschung, die ihn dazu zwingt aktiv zu werden.
Akt 2 – hier versucht der Held Antworten zu finden. Er versucht einen logische Struktur in jenen ersten Wendepunkt zu bringen. Er ist ein Wanderer, der durch den zweiten Akt streift, Informationen sammelt, um sein Ziel doch noch zu erreichen.
Midstone – In der Mitte des Buches kommt es zum wichtigsten Wendepunkt. Hier ändert sich um 180 Grad. Alles was der Held bis jetzt zu wissen geglaubt hatte löst sich in Luft auf. Die antagonistischen Kräfte werden stärker, er muss den Kampf aufnehmen.
Akt 3 – Aus dem Wanderer wird der Krieger. Er nimmt aktiv den Kampf gegen den Antagonisten auf, um sein Ziel zu erreichen. Hier darf die Action rein und all die Cleverness, doch sie wird nichts nützen, denn es kommt …
WP 2 – … Wendepunkt 2, der noch einmal alles ändert, den Helden an seinen tiefsten Punkt seiner Psyche bringt, ihn vor das finale Dilemma stellt: Kann ich es oder kann ich es nicht? Um es zu schaffen muss er sich seinen inneren Dämonen stellen und diese überwinden.
Akt 4 – Der finale Akt steht ihm Zeichen des Auflösung. Der Held ist bereit bis zum Äußersten zu gehen, ja sogar ein Märtyrer zu werden, um den Gegner zu bezwingen. Dieser Akt ist absoluter Freestyle. Hier darf alles passieren, bis auf EINE SACHE. Ab hier sollen keine neuen Figuren mehr auftauchen (deus-ex-machina-Gefahr!).
Finale – Der Held siegt, erreicht sein Ziel und geht als ein anderer aus der Geschichte, als er zu Beginn war.
That’s it. Damit könnt ihr JEDE Geschichte bauen, egal ob Liebesroman oder Fantasyepos. Der Vorteil: Kennt ihr das Ende, habt auch ihr ein Ziel auf das ihr hinschreiben könnt und wer weiß, vielleicht werdet ihr zum Schluss auch als neuer Autor aus dem Projekt hervorgehen … start building your story, keep writing!

 

Ich hoffe, dass es jemandem hilft und freue mich immer über Austausch … und wenn Ihr einen Wunsch habt, worauf ich eingehen soll, dann erwischt Ihr mich unter lucasoedel[at]gmail.com

Mehr